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Hintergrund

Am 22. Juli 1944 wurde auf der Konferenz von Bretton Woods (New Hampshire, USA) von 44 Staaten noch während des Zweiten Weltkrieges ein möglichst stabiles Währungssystem beschlossen. (Ähnlich wie der spätere Versuch mit dem Euro in Europa)

Ziel war die reibungslose und von Handelsbarrieren befreite Abwicklung des Welthandels bei festen Wechselkursen. Das System hatte bis zu seinem Zusammenbruch 1973 Bestand.

Auf der Konferenz wurden zwei Pläne für ein Weltwährungssystem diskutiert:

* Ein Vorschlag des Amerikaners Harry Dexter White
* und der Entwurf des Engländers John Maynard Keynes (siehe unten).

Die unterschiedlichen Vorstellungen in den beiden Plänen lassen sich durch unterschiedliche Ausgangslagen erklären. Die Briten waren durch die Kriegsfolgen in eine ausgeprägte Schuldnerposition mit starkem Handelsdefizit geraten. Die Geldpolitik konnte nicht mehr national bestimmt werden. In Großbritannien war die Wiederherstellung der Vollbeschäftigung eines der Hauptziele ihrer Wirtschaftspolitik, der die beschäftigungspolitischen Möglichkeiten der Theorie von Keynes entgegenkamen.

Auf die Amerikaner als damalige Gläubigernation traf genau das Gegenteil zu.

Beschlossen wurde der White-Plan, in dessen Mittelpunkt der US-Dollar stand. Dessen Wert war gegenüber dem Gold auf 35 $ je Unze festgelegt, und es bestand eine Verpflichtung der US-Zentralbank, Dollar in Gold einzulösen.

Die anderen Mitglieder des Systems vereinbarten starre Wechselkurse gegenüber dem Dollar und konnten keine eigenständige, auf ihre Wirtschaft ausgelegte freie Geldpolitik mehr betreiben.

Das System war demnach asymmetrisch gestaltet: Die USA waren völlig autonom in ihrer Währungs- und Geldpolitik, während alle anderen Mitglieder des Bretton-Woods-Systems ihren Wechselkurs gegenüber dem Dollar durch Devisenmarktinterventionen sicherstellen mußten. Nur wenn sich dauerhafte Ungleichgewichte ergaben, konnte im Rahmen einer internationalen Vereinbarung der Wechselkurs verändert, also auf- oder abgewertet werden (Realignment).

Als Instrument für Eingriffe, falls das System eine Schieflage bekommt, wurde der Internationale Währungsfonds (IWF) gegründet.

Ebenfalls in diesem Zusammenhang wurde die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Weltbank) gegründet, die heute Kredite für Entwicklungspolitik bereitstellt. Die als dritte „Bretton-Woods-Institution“ vorgeschlagene Internationale Handelsorganisation (ITO) kam nie zustande.
 

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06.05.2017, 16:20
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